Der Fall Koslovski
Gestern bin ich über Twitter auf den Beitrag eines Forums gestoßen und der Hintergrund hat mich doch sehr interessiert. Im Bremer “Weser Kurier” wurde seit Tagen eine Anzeige auf der Startseite gebucht, die auch in der Printausgabe veröffentlicht wurde. Auf den ersten Blick eine Familienanzeige, wie es sich in regionalen Zeitungen zu Hauf gibt. Auf den zweiten Blick werden einige Fragen aufgeworfen.
Meine Gedanken
Als ich die Anzeige das erste Mal gesehen habe, wunderte ich mich zunächst über die Daten, die dort angegeben wurden. Gab es soviele – vielleicht sogar noch gleichnamige – Helfer, dass man die Namen samt Straße und Postleitzahl angeben muss? Und warum wohnen Männer(!), die eine scheinbar alte Frau gepflegt haben, überall in Deutschland verstreut? Warum wird eine mehrtägige Anzeige auf der Startseite gebucht und keine Danksagung in der entsprechenden Rubrik? Welchen Sinn hat eine Notfallnummer, die auf den ersten Blick überhaupt keine Telefonnummer zu sein scheint?
Wie ich im weiteren Verlauf gelesen habe, gab es im April auch schon mal eine Anzeige im Weser Kurier, die sich auf “Erna Koslovski” bezog [Anzeige 2]. Ein Zusammenhang gibt es hier nicht nur beim Namen sondern auch bei der Nummer, die hier aber noch nicht als Telefonnummer “getarnt” wurde. Was hat es mit dieser Anzeige auf sich?
Die Theorien
In den Foren von worum.org und citybeat.de wurde fleissig spekuliert. Da wurde von Kommunikation zu Entführern oder Erpressern bis hin zu Anschlagsplänen von muslimischen Extremisten alles vermutet. Sind die Zahlen die codierten Ergebnisse der WM 2010 in Südafrika oder die richtigen Lottozahlen, um den Jackpot abzuräumen? Manche Ideen waren von sehr weit hergeholt, andere hatten aber durchaus Hand und Fuß und kamen auch bei mir in die nähere Auswahl. So wurde z. B. eine Marketingkamapgne vermutet, ein Aufmerksamkeitstest der Zeitung selbst oder eine Party die nicht für jeden gedacht ist.
Geocaching ein teures Hobby?
Mittlerweile ist die Anzeige auf der Seite des Weser Kurier verschwunden und meiner Meinung nach steht auch der “Fall Koslovski” kurz vor der Aufklärung. Es haben sich einige Geocacher zu Wort gemeldet, dass die Anzeige wohlmöglich von Geocachern eingestellt wurde um codiert über ein Versteck zu informieren. Ich kenne mich beim Thema Geocachen überhaupt nicht aus. Es wird aber gesagt, dass die Cacher ihre Hinweise meistens verschlüsseln und auch die Notfallnummer ein Indiz dafür ist. Aber ist es normal in der Szene, für diesen unbekannten Sport über mehrere Tage eine Anzeige zu buchen? Ein scheinbar teures Hobby. Der Otto-Normalverbraucher kann mit den Informationen aus der Anzeige nichts anfangen und wundert sich, was dahintersteckt.
Netzgesellschaft
Egal was nun hinter dem “Fall Koslovski” steckt, finde ich eine Tatsache erstaunlich: Wie schnell sich die Netzgemeinde einem Thema annimmt und versucht die Hintergründe zu erfahren. Es braucht nur einen Forumsbeitrag und ein paar wundernde Menschen und schon wird ein Lauffeuer losgetreten. Es wird nachgefragt und recherchiert bis man ein Ergebnis hat, mit dem man sich zufrieden geben kann. Das sollte bei anderen Themen, die unser Land beschäftigt, viel öfter passieren. Und nicht nur im Netz.



2 Kommentare wurden bisher geschrieben
Kommentar vom 12.06.2010, 13:40 Uhr von babbix
Nichts für ungut, aber die “Startseite” einer Zeitung nennt man immer noch Titelseite. Da hast du wohl ein bisschen zu viel im Internet gesurft.
Kommentar vom 12.06.2010, 16:40 Uhr von Leuchte
Die Startseite bezieht sich auf die Webseite wwww.weser-kurier.de. In der Printausgabe wurde die Anzeige nicht auf der Titelseite gezeigt. Zu viel auf Zeitungen gesurft?